Chronik 1862-1973

1862

"Im Jahre 1862 schossen in unserer Monarchie allerorten Vereine verschiedenster Art, zumeist Gesang- und Turnvereine empor. Die Erklärung für diese allseitige, üppige Entwicklung des Vereinswesens finden wir in dem Patente vom 26. Februar 1861, das an die Stelle des absoluten, jede Geistesregung unterdrückenden Polizeistaates den parlamentarischen Rechtsstaat gesetzt hatte. Nun war die Bahn für die Vereinigung zu gemeinsamem Zwecke frei und eine eifrige Tätigkeit entfaltete sich, das gewonnene Recht auszuüben."

Mit diesen Worten beginnt die Festschrift des Badener Männergesangvereines zum 50-jährigen Bestand aus dem Jahr 1912, auf die sich ein wesentlicher Teil der historischen Schilderungen dieser Dokumentation bezieht. Baden war als "Nährboden" für Gesangvereine gut vorbereitet. Die Kirchenmusik hatte in Baden schon gute Kräfte im mehrstimmigen Gesang geschult. Allwöchentliche gesellige Zusammenkünfte von Lehrern, Bürgern, Beamten und Militärpersonen im Gasthof "Zum goldenen Hirschen" gaben die Anregung zur Gründung eines Männergesangvereines. Am 21.Jänner 1862 zirkulierte an alle bekannten Sangeskräfte in Baden ein Schreiben, das zu einer Besprechung für den 22.Jänner in den Gasthof "Zum goldenen Hirschen" einlud. Unterzeichnet war es vom Oberlehrer an der Pfarrhauptschule und Regenschori an der Stadtpfarrkirche Franz Walter, den Hauptschullehrern Andreas Prinz und Kajetan Markus. 24 Herren folgten dieser Einladung. Die Statuten wurden von Franz Walter, Kajetan Markus, Carlé (Ingenieur), Michael Nagler (Lehrer) und Josef Rollett (Mühlenbesitzer) ausgearbeitet und am 29. Jänner beschlossen. Als erster Vorstand wurde der Arzt Franz Habel, als Chormeister Franz Walter, als Schriftführer Kajetan Markus, als Kassier der Hauptschullehrer Isidor Grimme und als Archivar Andreas Prinz gewählt. Am Mittwoch, dem 12. Februar 1862 begann der Verein im Gasthaus "Zum schwarzen Adler" mit den Gesangsübungen.


Ehemaliges Gasthaus "Zum schwarzen Adler" in der Rathausgasse

Dr. Habel hielt bei dieser Gelegenheit eine Ansprache, die hier auszugsweise wiedergegeben wird:

"Im Chorgesange sind 4 Stimmen, die scheinbar auseinandergehen, und doch verschmelzen sie zu einem herrlichen Einklang. In unserem Vaterlande sind 4 Völkerstämme, die ich mit den 4 Stimmen des Chores vergleichen möchte: Der Deutsche, Slave, Magyar und Rumäne. In dem österreichischen Völkerkonzerte entfalte sich jede Stimme frei in ihrer ursprünglichen Weise, gehe jede ihren eigenen Weg, wenn nur über alle das göttliche Gesetz der freien Harmonie waltet und so alle sich vereinen zum mächtigen, harmonischen Chore!"

In der Probe vom 26.März 1862 wurde das von Michael Nagler verfaßte und von Chormeister Franz Walter vertonte Motto angenommen: "Frohes Lied aus frischer Kehle, Freies Wort aus deutscher Seele".Als Sängerzeichen war schon am 4. Februar eine seidene rotweiße Schleife mit metallener Lyra bestimmt worden, ebenso der Vereinsstempel mit dem Wappen der Stadt Baden und der Aufschrift "Männergesangverein Baden". Als Beiträge wurde für die aktiven Mitglieder 1 Gulden Eintrittsgebühr und 20 Kreuzer pro Monat, für die unterstützenden Mitglieder 4 Gulden pro Jahr festgesetzt. Mit Begeisterung wurde rasch einstudiert, da jede Stimme einen Stimmführer hatte, der jeden Samstag die Übung leitete, so dass in der Gesamtübung am Mittwoch nur wenige Stimmproben nötig waren. In der Zeit vom Februar 1862 bis Jänner 1863 wurden in 67 Gesangproben insgesamt 32 Chöre einstudiert. Bei dem großen Sangeseifer der Mitglieder gab es keine Vereinsferien. Nur 4 Proben waren schwach besucht. Durch einen glücklichen Zufall bekam der Verein von Anfang an junge Stimmen, darunter hohe Tenöre, die bei dem sorgfältigen Studium sehr gut zur Geltung kamen. Auch ein Soloquartett trug zu den Aufführungen bei, alle Lehrer, die den musikalischen Kern des Vereines bildeten. Das erste öffentliche Auftreten war am 27. August anlässlich des 3.deutschen Juristentages (1400 Personen), die von Wien einen Ausflug nach Baden gemacht hatten. Im Stadtpark spielten abwechselnd zwei Musikkapellen und der Verein wurde mit seinen Liedern stürmisch gefeiert. Die erste Aufführung für die "beitragenden" Mitglieder fand im großen Saal des Gasthofes "Stadt Wien" statt. An Liedern wurden

gesungen.

Vor allem die deutschpatriotischen Lieder wurden stürmisch bejubelt. Der Chronist vermerkte dazu:

"Wie sehr haben sich seither die Zeiten geändert. Welcher Verein würde es heutzutage wagen, dem Publikum nichts anderes als eine solche Masse von Männerchören zu bieten. Von den immer reicher werdenden Klangfarben des Orchesters verwöhnt, will man jetzt in einem Konzerte Abwechslung haben. Der reine vierstimmige Satz eine Männerchores genügt nicht mehr. Übrigens ist auch die Schaffenskraft auf dem Gebiete des Männerchores erschlafft. Mozart, Beethoven, Schubert, Weber, Mendelssohn, Kreuzer, Schumann, Storch, Kücken und Abt haben keine ebenbürtigen Nachfolger gefunden."

Zur Sylvester-Liedertafel lud der Verein den Turnverein ein, der dieser Einladung gerne folgte, waren doch viele Sänger auch Mitglieder des Turnvereines. Es gab viele Begrüßungsreden, Toaste auf den Kaiser und die Kaiserin, den Minister Schmerling, den Sprecher des Turnvereines Baron Doblhoff und viele andere.

Im ersten Jahr erfolgte auch noch der Beitritt zum Niederösterreichischen Sängerbund und der Teilnahme an der Enthüllung des Maria-Theresien-Denkmales in der Militärakademie von Wr. Neustadt.

Nach diesem ersten Jahr seines Bestehens hatte der Verein 42 ausübende und 101 beitragende Mitglieder.

1863

Bei der Jahreshauptversammlung erfolgte die Wahl des Vorstandes und des Chormeisters per Akklamation. Als Schriftführer wurde Theodor König gewählt. Neben Solovorträgen der Herren De Cente, Holzer und Prinz wurden vom Verein 6 Chöre gesungen. Ein improvisierter Ball bildete den Abschluss.

Zwistigkeiten, die ihre Wurzeln außerhalb des Vereines hatten, veranlassten Vorstand Dr. Habel, aus dem Verein auszutreten. Ein Ausschuss von 7 Mitgliedern führte bis zur Wiederbesetzung die Leitung.

Am 24. Juni brachte der Verein der Königin beider Sizilien, Maria Theresia, in der Weilburg eine Serenade dar. Die Sänger wurden von den Erzherzögen Albrecht, Rainer und der Erzherzogin Hildegard empfangen und die Königin dankte für die Aufmerksamkeit. Einige Tage später fand ebenfalls eine Serenade für den Minister Ritter von Schmerling statt.

Am 28. und 29. Juni nahm der Verein über Einladung des Ödenburger Gesangvereines "Liederkranz" an einem großen Sängerfest teil, an dem unter anderen auch der Wiener Männergesangverein teilnahm. Beim gemütlichen Teil wurden zwischen den Sängern schon emsig Sängerabzeichen ausgetauscht.

In der Probe am 16. Juli brach ein Konflikt aus, in dessen Folge Chormeister Walter aus dem Verein ausschied. Seinem Beispiel folgten noch 4 Sänger. Ein Abschiedsbrief des Weikersdorfer Oberlehrers Vinzenz Holzer veranschaulicht die Situation:

Löblicher Gesangverein!

Es war mir eine Ehre, Mitglied des 1.Gesangvereines in Baden zu sein. Mit Freude und Lust wirkte ich bei den Gesangsproduktionen im verflossenen Winter mit. Der Verein stand zwar in seiner Blüte, aber er trug zu gleicher Zeit herrliche Früchte. Der Verein strebte unt der Leitung zweier geachteter Männer seiner höheren Weihe entgegen; diese beiden Männer würden denselben zu einem wahren Kunstvereine in Bezug auf den Gesang erhoben haben, denn tüchtige Kräfte, mit gutem Willen begabt, besitzt der Verein ohne Zweifel.

Doch leider, es kam der kalte Hauch der Zwietracht, zerstörte die schönen Blüten und geknickt geht der Verein seinem Verfalle entgegen.

Die Uneinigkeiten, freilich nur von einigen heraufbeschworen, haben sich wieder letzthin bei einer Gesangprobe gezeigt. Es kamen persönliche, gröbliche Beleidigungen vor, die zufolge eines jüngst aufgenommenen Statutes bei einer Gesangprobe nicht stattfinden dürfen. Der Verein ist durch solche Vorgänge beinahe zum Stadtgepräche geworden.

Dies bestimmt mich, dem 1. Vereine meinen Austritt aus demselben anzuzeigen. Sollte jedoch für den Verein der erwünschte Augenblick kommen, wo wieder der nicht nur kunstliebende, sondern auch kunstverständige Dr. Habel als Präses und der beide Eigenschaften nicht minder besitzende Chormeister Walter an der Spitze desselben stehen, so wird gewiss von ganzer Seele beim Liede aus freier Kehle mit voller Kraft mitsingen

Euer ergebener
Vinzenz Holzer (Oberlehrer)

Chormeister-Stellvertreter Stranker übernahm die Leitung der Chöre. Er besaß zwar gute Musikkenntnisse, aber leider zu geringe Tatkraft. Im September wurden die Übungen eingestellt. Der Verein befand sich in einer Krise, da nach dem Abgange Walters kein genügender Ersatz gefunden wurde.

In dieser tristen Situation erbot sich Nikolaus Dumba, Vorstand des "Triestinger Sängerbundes", diesen Verein mit dem Badener MGV zu vereinigen.

Am 2. Dezember 1863 genehmigte der Vorstand die neuen Statuten und der Badener Männergesangverein war praktisch aufgelöst, d.h. er war zu einer "Filiale" des neuen "Triesting-Badener-Sängerbundes" geworden. Nikolaus Dumba, Fabriksbesitzer aus Tattendorf wurde zum Vorstand, der Gesangprofessor am Wiener Konservatorium Alexander Arlet wurde zum Chormeister gewählt. Der Verein bestand nun aus den "Filialen" Baden, Leobersdorf, Tattendorf, Günselsdorf und Trumau.

Ein rechtes Zusammengehörigkeitsgefühl wollte in dem neuen Verein nicht so recht aufkommen, obwohl Dumba finanziell äußerst großzügig war. Die Gesamtproben waren recht umständlich, da durch die großen Entfernungen zu den einzelnen "Filialen" zeitraubende Wagenfahrten notwendig wurden.

1864

Bei der Jahreshauptversammlung im Gasthof "Stadt Wien" gab es Gesangvorträge der Hofopernsänger Gustav Walter und Dr. Schmidt. Auf Vorschlag von Nikolaus Dumba wurde dem Verein der Titel "Eintracht" hinzugefügt.

Der neue Wahlspruch lautete:

"In Eintracht ruht die Saat
Für jede schöne Tat,
Was in Eintracht blüht,
Reifet im Gemüt!"

Die Gattin des Vorstandes Dumba spendete dem Verein eine Fahne, die auf weißem Grund das mit schwarz-rot-goldenen Lettern
gestickte Wort "Eintracht" zeigte. Sie wurde beim NÖ. Sänger-Bundesfest am 4. September das erste Mal entfaltet.

In diesem Jahr gab es noch die übliche Liedertafel, an der wieder Solisten auftraten.

1865

Trotz der Tüchtigkeit und dem Eifer des Chormeisters Arlet herrschte keine rechte Sangesfreude. Vorstand Nikolaus Dumba wurde zum Vorstand des Wiener Männergesangvereines gewählt und legte seine Funktion in Baden nieder. Auch Chormeister Arlet drohte mit Rücktritt, da die Proben vor allem von Badens Sängern schlecht besucht wurden.

In der Hauptversammlung wurde Michael Nagler zum Vorstand gewählt, Silverius Kneifel wurde Chormeister für die Filiale Baden.

1866

Das Jahr brachte keinerlei nennenswerten Aktivitäten. Die für Österreich traurigen Kriegsereignisse hemmten jede Vereinstätigkeit.

1867

Durch den Beschluss, einen Sängerball zu veranstalten, ärgerte sich Vorstand Nagler so, dass er im Verein nicht mehr erschien und kurz darauf seine Funktion aus Gesundheitsgründen zurücklegte. Auf Initiative von Theodor Germer wurde der Arzt Dr. Alois Heinz zum Vorstand gewählt. Die große Begeisterung für Männerchöre ließ nach, auch die Disziplin der Sänger lockerte sich. Manche hörten nur zu, statt mitzusingen. Durch den Austritt mehrerer Filialen gab es bei der Hauptversammlung nur mehr 3 Filial-Chormeister: Silverius Kneifel für Baden, Vinzenz Fritsch für Leobersdorf und Matthias Schweng für Trumau.

1868

Gemeinsam mit dem "3.Deutschen Bundesschießen" fand in Wien auch das NÖ.Sängerbundesfest statt, an dem sich der Verein beteiligte. In Hietzing ("Neue Welt")wurde zu diesem Anlass ein Monster-Konzert veranstaltet, an dem 2.000 (!) Sänger und über 15.000 Besucher teilnahmen. Bei dieser Veranstaltung trat der Fahnenjunker des Vereins, Karl Kurfeß, erstmals in seiner neuen Ausrüstung (schwarzes Samtwams, weiße Hirschlederhose, Federhut, Schwert) auf.

Das Jahr brachte ansonsten keine besonderen Aktivitäten. Der fortschreitende Abbröckelungsprozess machte eine Änderung der Statuten notwendig, denn der Verein bestand nur mehr aus den Filialen Baden, Leobersdorf und Trumau.

1869

Ein im Jänner veranstalteter Sängerball brachte für den Verein ein Defizit. Aus diesem Grund wurden im Gasthof "Zum schwarzen Adler" drei "Damenabende" (Chorvorträge mit anschließendem Tanz) durchgeführt, die ein großer Erfolg waren.

Ein gemeinsam mit dem Wiener Schubertbund veranstaltetes Parkfest brachte einen großen Reingewinn, den beide Vereine teilten. Über Wunsch der Königin von Portugal, die im Schloss Leesdorf wohnte, zogen die Sänger in den Park des Schlosses und sangen 3 Chöre, die von der Königin herzlich bedankt wurden

Im gleichen Jahr wurde auch der Versuch einer "Gesangschule" gestartet, um untüchtige Vereinsmitglieder besser auszubilden. Diesem Versuch war leider, wie auch in den Folgejahren, kein Erfolg beschieden.

1870

Der Abbröckelungsprozess ging weiter, die Leobersdorfer Filiale schied aus dem Verein aus. Der deutsch-französische Krieg spaltete die Bevölkerung Badens und somit auch die Vereinsmitglieder in zwei Parteien, die in heftigem Streit entbrannten. Auf Grund der Meinungsverschiedenheiten legte Vorstand Dr. Alois Heinz aus Protest gegen die "Franzosenfreunde" und "undeutsche Gesinnung" seine Funktion nieder und trat aus dem Verein aus. Eine daraufhin für die verwundeten deutschten Soldaten initiierte öffentliche Sammlung wurde wegen der neutralen Stellung Österreichs von der Bezirkshauptmannschaft verboten.

Das Reinerträgnis einer am 17. Dezember veranstalteten Beethovenfeier wurde zum Teil für die Schule, zum Teil für die Errichtung einer Gedenktafel am Haus Rathausgasse 10 verwendet. Hier hatte Beethoven den größten Teil der 9. Symphonie komponiert. Die Tafel wurde am 27. Juni 1872 enthüllt.

1871

Der in der Hauptversammlung neugewählte Vorstand Jakob Grätz behielt seine Funktion nur kurze Zeit, da die politischen Meinungsverschiedenheiten der Mitglieder unleidliche Zustände schufen.Ihm folgte als Vorstand Theodor Germer. Durch eine "Friedensfeier" (initiiert von Dr. Hermann Rollett anlässlich des deutsch-französischen Friedens) kam es im Verein zu heftigen Auseinandersetzungen, die im Rücktritt des fast gesamten Vorstandes ihren Niederschlag fanden. Von "Eintracht" war zu dieser Zeit nichts mehr zu spüren.

Am 16. Juli wurde die Auflösung des Vereines beschlossen. Die Fahne erhielt Baden, den Vereinswagen Trumau.

In der daruffolgenden Hauptversammlung am 3. August wurden die Statuten des nun wieder selbständig gewordenen "Männergesangvereines Baden" beschlossen. Vorstand wurde Prof. Michael Nagler, Chormeister wurden: Franz Walter und Silverius Kneifel.

Interessant ist der Unterschied in der Bezeichnung des Vereinszweckes in den Statuten von 1862 und 1871:

1862: Der Zweck des Vereines ist die Pflege des Männergesanges zur geselligen Unterhaltung.

1871: Der Zweck des Vereines ist die Pflege des deutschen Liedes zur Kräftigung des Stammesbewusstseins und der Vaterlandsliebe.

1872

Ein Komitee veranstaltete einen Sängerball, dessen Reinertrag zur Verzierung der leeren Fahnenseite verwendet wurde.

Am 16. April starb Chormeister Franz Walter. Der Verein wählte keinen zweiten Chormeister mehr.

Sehr beliebt war in diesem und auch in den folgenden Jahren das beliebte "Park- und Hauswiesenfest", das an zwei Tagen stattfand und das in Verbindung mit dem Schubertbund immer ein großer Erfolg wurde.

1873

Ein ereignisreiches Jahr, in dem die Weltausstellung in Wien stattfand, aber auch der große Börsenkrach viele Vermögen ruinierte. Baden hatte wenig Kurgäste, das Parkfest musste entfallen. Der Besuch der Gesangproben war schwach. Die einzige größere Veranstaltung war ein Sängerfest in der Mineralschwimmschule, an dem auch Abordnungen der Gesangvereine von Leobersdorf, Trumau, Pottenstein, Traiskirchen, Vöslau und Perchtoldsdorf teilnahmen. Ehrenmitglied Dr. Hermann Rollett trug ein von ihm selbstverfasstes Gedicht vor.

1874

In der Vereinsleitung trat nur eine geringe Änderung ein. Es wurden wieder 2 Chormeister, Silverius Kneifel und Johann Walter (Sohn des verstorbenen ersten Chormeisters) gewählt. Es wurden in diesem Jahr keine unterstützenden Mitglieder aufgenommen.

Eine heitere Begebenheit veranstaltete der Fahnenjunker Kurfeß: Zum 2. Deutschen Bundessängerfest in München waren anfänglich 10 Sänger angemeldet, von denen aber nur Kurfeß übrigblieb. So wurde der Badener Männergesangverein in München nur von einem Fahnenjunker mit Fahne, aber ohne Sänger repräsentiert.

Im Juni lud das Mitglied Ferdinand Hanny den Verein in seinen Keller ein. Dieser Einladung wurde natürlich pünktlich Folge geleistet. Die Kellerfeste erfreuten sich schon damals großer Beliebtheit.

1875

Im Vereinsleben hatte sich ein festes Programm etabliert. Heringschmaus mit anschließendem Tänzchen, Frühlingskonzert, Maifahrt (zum Rudolfshof oder ins Jägerhaus, nach Gaaden, Heiligenkreuz, auf das Eiserne Tor mit Abstieg nach Alland oder nach Mayerling usw.), Park- und Hauswiesenfest, Sylvester-Liedertafel mit heiteren Vorträgen, gelegentlich Mitwirkung bei diversen Veranstaltungen. Bei den Maifahrten wurde vom Verein auch das Bier bezahlt, wodurch die Präzision des Gesanges etwas beeinträchtigt, die Stimmung aber ungemein erhöht wurde.

Bei der Sylvester-Liedertafel wurde erstmals eine Oper, "Francesca da Rimini" von Conradin aufgeführt. Die Dekoration, Kostüme und Requisiten wurden vom Theaterdirektor Alfred Schreiber kostenlos zur Verfügung gestellt.

1876

Zur Sylvester-Liedertafel wurde die Oper "Friedrich der Heitzbare" von Mögele aufgeführt. Die weibliche Hauptrolle sang Frl. Ernst.

1877

Beim Konzert des Vergnügungsvereines zur Verschönerung des Parkes sang der Verein 3 Chöre. Über Ersuchen des Theaterdirektors Alfred Schreiber wirkten die Sänger bei den Chören des Schauspiels "Preziosa" (Musik von Weber) mit. Ein Fass Bier, das der Theaterdirektor den Sängern spendete, brachte ungeahnte "Lichtblicke" in das düstere Zigeunerleben, das die Sänger darstellen mussten.

Bei der Sylvester-Liedertafel wurde die Oper "Lenardo und Blondine" von Mögele aufgeführt. Da dabei ein gemischter Chor notwendig war, sangen das erste Mal einige junge Bürgerstöchter mit. Auch das Soloquartett des Vereines (Franz Dorr, Silverius Kneifel, Josef Brosch, Ferdinand Hanny) glänzten mit ihren Leistungen. Die Zahl der Sänger stieg in diesem Jahr von 35 auf 63.

1878

Für das Frühlingskonzert im Hotel "Stadt Wien" hatte der Verein das Waldhornquartett der Hofoper aufgenommen. Sie begleiteten Herbecks Chor "Zum Walde" und Schuberts "Nachtgesang im Walde".

Im Oktober gab der Verein ein Konzert zugunsten der Reservisten, die für Bosnien mobilisiert wurden.

1879


Das neue Vereinsabzeichen wurde von Architekten Hugo Zimmermann entworfen.

Im Juli fand im Gasthof "St. Anna" die Sommer-Liedertafel statt.

Zu Sylvester wurde die erfolgreiche Oper "Friedrich der Heitzbare" von Mögele wiederholt.

1880

Kaiser Franz Joseph I. empfing alle niederösterreichischen Gesangvereine Der Anlass war die Überreichung eines Erinnerungsbildes des Festzuges anlässlich der Silbernen Hochzeit des Kaiserpaares am 24. April 1879. Um 11 Uhr begrüßten 2800 Sänger den Kaiser vor dem Künstlerhaus, wo das von Karger gemalte Bild überreicht wurde.Am Nachmittag erfolgte ein Festzug durch die Hofburg zur Winterreitschule, wo die Sänger "kaiserlich" bewirtet wurden.

Vom Verein nahmen daran 15 Sänger teil.

Bei der Enthüllung eines Denkmals für die Gefallenen der Wr.Neustädter Militärakademie zeichnete sich der Verein "durch die Schönheit seiner Vorträge" besonders aus.

Chormeister Kneifel gründete ein Hausorchester, das bald darauf der Klavierlehrer Anton Karlhofer übernahm.

Beim Park- und Hauswiesenfest sang der Verein zusammen mit dem Neulerchenfelder Männergesangverein.

1881

Ein heiterer Abend des Touristenklubs wurde vom Verein mit 3 Chören mitgestaltet.

Michael Nagler legte seine Vorstandsfunktion nieder. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung wurde Theodor König zum Vorstand und Michael Nagler zum Ehrenmitglied gewählt.

Anlässlich der Ergänzung des Realgymnasiums durch ein Obergymnasium veranstaltete der Verein einen Festkommers mit Chören und Produktionen des Hausorchesters.

In diesem Jahr wurden wieder unterstützende Mitglieder aufgenommen. Es konnten 175 neue Förderer gewonnen werden.

1882

Ein Konzert für die unterstützenden Mitglieder wurde durch die Mitwirkung durch den Notar Dr. Gustav Kraitschek, einem ausgezeichneten Violinspieler, zu einem großen Erfolg.

Bei der Sylvester-Feier dirigierte Chormeister Kneifel die Oper "Das Wasserweib" von Mögele, wo zum ersten Mal eine "Dilettantin", Frl. A. Mühl, die weibliche Hauptrolle sang.

1883

Der Verein hatte 43 Mitglieder, aber viele schwache Sänger. Dadurch waren viele, die guten Sänger langweilende Stimmproben notwendig. Wegen des nachlässigen Probenbesuches erklärten Chormeister Walter und weitere Vorstandsmitglieder ihren Rücktritt. Bei der darauffolgenden Hauptversammlung wurde aber dem gesamten Vorstand das Vertrauen ausgesprochen und so blieb alles beim alten.

1884

Der Verein veranstaltete im Hotel "Stadt Wien" ein Schubert-Konzert, bei dem der berühmte Opernsänger Gustav Walter mitwirkte.

Das Reinerträgnis von knapp 37 Gulden widmete der Verein der Errichtung der Mozart-Gedenktafel am Haus Renngasse Nr. 10, in dem Mozart das berühmte "Ave verum" komponiert hatte.

Das Jahr war für den Verein finanziell überaus erfolgreich, so war an Vermögen vorhanden:

Barvermögen: 291 Gulden
Konzertfonds: 118 Gulden
Reisefonds:       62 Gulden
Mozartfonds:    37 Gulden

Zu Ehrenmitgliedern wurden in diesem Jahr Dr. Kraitschek und der Chormeister des Wiener Schubertbundes, Franz Mair, ernannt.

Ein Sängerfest in Ödenburg wurde von 29 Mitgliedern des Vereines besucht. Da die eingeladenen Vereine nur in magyarischen Anreden und Aufschriften empfangen wurden, wurde dies von den Sängern mit "großer Verstimmung" aufgenommen, da sie doch in der "deutschen Stadt" Ödenburg konzertierten.

Bei der der Sylvester-Liedertafel trat ein neues Solo-Quartett auf (Kandler, Woisetschläger, Mühl, Haase) und erntete mit vorgebrachten "Bänkeln" großen Beifall.

1885

Am 14. Mai fand die Enthüllung der Mozart-Gedenktafel am Haus in der Renngasse statt. Nach Mitwirkung bei einer Mozart-Messe in der Pfarrkirche hielt Vorstand König die Festrede vor dem Mozart-Haus und der Verein sang den Priesterchor "O Isis und Osiris" aus der "Zauberflöte".

Vom Verein gestiftete Mozart-Gedenktafel am Mozarthaus

Besondere Verdienste hatten sich um das Denkmal der Inspektor der Gartenbaugesellschaft in Wien, Herr Schubert und der Direktor der kaiserlichen Erzgießerei, Prof. Pöninger erworben.

Am 20. Juni beteiligte sich eine starke Abordnung des Vereines an dem 25 - jährigen Jubiläum des Liesinger Gesangvereines. Da der ebenfalls geladene Ödenburger Verein "Liederkranz" bei einem Singen in Pest das Singen "deutscher Chöre" nicht gestattet hatte, "rächten" sich die Sänger durch lautes Zischen bei den Darbietungen der Ödenburger, als diese ungarische Chöre sangen.So wurde ein friedliches Sängertreffen wieder einmal durch politische Differenzen gestört.

Ein Höhepunkt war am 28.u.29. Juni das 6. NÖ.-Sängerbundesfest in Baden, an dem 60 Vereine mit über 2000 Sängern teilnahmen. Die Gemeindevertretung, die Kurkommission, der Vergnügungsverein, der Feuerwehr- , Turn- und Schützenverein hatten zum Gelingen wesentlich beigetragen. Die Sänger wurden beim Festzug durch die Stadt mit Blumen aus Fenstern und Balkonen beworfen. Beim Konzert stach vor allem der Schubertbund mit seinen herrlichen Leistungen hervor.

Am 10. August beteiligte sich der Verein an einem Ständchen, das der Laxenburger Gesangverein dem Kronprinzenpaar Rudolf und Stephanie im Laxenburger Schlosspark brachte.

1886

Die Probenbesuche gingen zurück. Chormeister Walter legte aus diesem Grund seine Funktion zurück. In der Hauptversammlung wurde Ferdinand Labek zum Chormeister gewählt und Johann Walter zum Ehrenmitglied ernannt.

Am 10.Juni sang der Verein bei einem Konzert anlässlich der Schlusssteinlegung des Kurhauses 3 Chöre.

1887

In der Hauptversammlung wurde Silverius Kneifel zum Chormeister gewählt.

Anlässlich des 70. Geburtstages von Erzherzog Albrecht beteiligte sich der Verein mit zwei Chören an einem Fackelzug.

Nach den Sommerferien konnte dank der Bemühungen eines "Reorganisationskomitees" mit 48 Sängern die Probenarbeit begonnen werden.

1888

Am 25. Juli feierte der Verein sein 25-jähriges Bestehen mit einem großen Sängerfest. Namens der Gemeindevertretung überreichte Hofrat Lang einen silberbeschlagenenen Taktstock aus Ebenholz als Ehrengeschenk.

Zur Sylvester-Liedertafel wurde die Oper "Der Ritter Toggenburg" aufgeführt.

1889

Der Verein litt unter schlechtem Probenbesuch. In drei Proben konnte wegen fehlender Bässe überhaupt nicht gesungen werden, aber auch die diversen Liedertafeln konnten in diesem Jahr nicht stattfinden.

Zum 70. Geburtstag des Dichters Dr. Hermann Rollett, der bei etlichen Festen des Vereines Ansprachen und Gedichte vorgetragen hatte, überreichte ihm der Verein eine "Busennadel mit Brillanten".

1890

Die Hauptversammlung wählte den Theaterkapellmeister und Komponisten Hans Maria Wallner zum Chormeister, der aber nur eine Probe hielt. Als Ersatz wurde der Berufsmusiker Rosensteiner gewählt, der aber ebenfalls nach kurzer Zeit wegen des unbefriedigenden Probenbesuches wieder aus dem Verein ausschied. Als im Herbst Chormeister Wallner wieder verhindert war, übernahm der pensionierte Musiker des Hofopernorchesters, Rudolf Zöllner, die Proben. Unter seiner Leitung wuchs das Interesse der Sänger wieder und die Sylvester-Liedertafel wurde wieder ein großer Erfolg.

1891

Auf Antrag des Chormeisters Zöllner wurde das Schulzimmer, in dem der Kirchenmusikverein seine Proben abhielt, auch Übungslokal des Männergesangvereines.

Nach den Sommerferien wurde der Probenbesuch wieder nachlässig, worauf Zöllner und Vorstand König ihre Funktion zurücklegten.

In einer außerordentlichen Hauptversammlung wurde der Oberlehrer Franz Dorr zum Vorstand und der Lehrer Franz Kohlert zum Chormeister gewählt. Kohlert hatte durch seine Jugend einen großen Einfluss auf Gleichaltrige, sodass durch ihn der Verein eine große Verjüngung erfuhr. 14 junge Sänger kamen in den Verein und die Proben wurden wieder gut besucht. Ein am 4. Dezember veranstaltetes Mozart-Konzert sowie die Sylvester-Liedertafel hatten großen Erfolg. Die Zahl der Mitglieder stieg von 36 auf 52.

1892

Bei der Sylvester-Liedertafel dirigierte erstmals der Kapellmeister des Kurorchesters, Karl Komzak, seine Kompositionen "Märchen" und "Volkslied".

1893

Zur Feier des 30-jährigen Bestandes veranstaltete der Verein auf der Hauswiese ein Sängerfest, an dem 28 Vereine teilnahmen. Eine Glanzleistung bot dabei der Vortrag des Wiener Vereines "Arion".

Beim Fahnefest des Gesangvereines der Maschinenfabrik Leesdorf am 16. September wirkte der Verein ebenfalls mit.

1894

In der Generalversammlung am 24. Jänner wurden Zöllner als Vorstand, Kohlert als Chormeister bestätigt. Durch eine Bemerkung Kohlerts fühlten sich 10 Mitglieder beleidigt und traten aus dem Verein aus. Der christlichsozialen Partei angehörend, gründeten sie am 23. Februar den Gesangverein "Liederfreunde".

Von diesem Verein stammt auch die einzige Fahne, die aus dieser Zeit erhalten
und heute im Besitz des Badener MGV ist

Anlässlich einer Aufführung von Schuberts "Deutscher Messe" in der Pfarrkirche erhielt der Verein von Frl. Leopoldine Neumann, einer Schwägerin des Vorstandes ein prachtvolles Trinkhorn. Von da an gab es außer dem Fahnenjunker auch einen Hornjunker.

Am 25. Juli beteiligte sich der Verein am Begräbnis des Bürgermeisters Franz Breyer und sang einen Trauerchor.

In diesem Jahr sank die Sängerzahl von 48 auf 37 herab. Die Ursache war die Gründung des Gesangvereines "Die Liederfreunde". Diesem Verein zuliebe traten mehrere Mitglieder aus dem Männergesangverein aus. Für die Stadt Baden war es kein Vorteil, dass anstatt eines großen nunmehr drei schwache (auch die Maschinenfabrik Leesdorf hatte einen Chor) gab.

1895

Am 23. Juni führte der Verein mit der Kurkapelle Komzak´s "Die Frithjofssage" von Max Bruch im Kurhaussaal auf. Ein gemischter Chor aus dem Oratorium "Paulus" von Mendelssohn, den der Kirchenmusikverein unter Walter´s Leitung sang, erzielte ebenfalls große Wirkung. Die männlichen Mitglieder des Kirchenmusikvereines waren auch fast ausschließlich Mitglieder des Männergesangvereines.

1896

Eine große Leistung war in diesem Jahr die Aufführung von Schumann´s "Der Rose Pilgerfahrt", einer einen ganzen Konzertabend ausfüllenden Komposition, die der Verein unter Kohlert´s Leitung sang.

1897

Anlässlich des 100. Geburtstages von Franz Schubert sang der Verein in der Pfarrkirche die "Deutsche Messe" und veranstaltete am 9. Februar im Hotel "Stadt Wien" ein großes Schubert-Konzert, an dem u.a. "Mirjams Siegesgesang" (gem. Chor mit Sopransolo) aufgeführt wurde.

"In raschem Aufschwunge begriffen, höheren Zielen zustrebend, bedurfte der Verein zur Aufführung der großen Chorwerke mit Orchester der Angliederung eines Damen-Chores!"

In der Hauptversammlung vom 3. April wurden deshalb die Statuten geändert, der neue Name lautete: "Gesangverein Baden".

Die erste musikalische Produktion war "Die Schöpfung" von Joseph Haydn. Sie fand am 16. Juni mit großem Erfolg und großen Kosten statt.

Der Verein hatte am Schluss des Jahres 94 ausübende (55 Sänger, 39 Sängerinnen) und 139 unterstützende Mitglieder.

1898

Auf Anregung des Vereines bildete sich ein Komitee, an dessen Spitze Oskar Freiherr von Lasser-Zollheim und Friedrich Rupprecht von Virtsolog stand. Ziel dieses Komitees sollte die Errichtung eines Beethoven-Denkmals im Helenental sein (gegenüber der "Cholera - Kapelle") Die Kosten wurden durch Sammlungen und Spenden der Badener Sparkasse und des Badener Vorschussvereines aufgebracht.

Am 28. Mai wirkte der Verein bei einer Trauerfeier für den verstorbenen Bürgermeister C. Hora in der Pfarrkirche mit.

Am 8. Juni fand zu Ehren des zum Bürgermeister gewählten Vorstandes Rudolf Zöllner eine Festkneipe statt, an der neben Solisten auch die Kurkapelle unter der Leitung von Karl Komzak mitwirkte.

Am 19. September nahm der Verein an einer Trauerfeier anlässlich des Todes von Kaiserin Elisabeth teil.

In diesem Jahr waren aus den Orten Pfaffstätten, Tribuswinkel, Traiskirchen, Vöslau gute Sänger, vor allem Lehrer, dem Verein beigetreten. Dieser Berufsstand bildete - wie bei der Entstehung - die musikalische Stütze.

Der von Komzak vertonte neue Wahlspruch wurde angenommen:

"Deutsche Treue, deutscher Sang, stets erschall dein hehrer Klang!"

1899

Für das Beethoven-Denkmal, einer Bronzeplatte mit dem Brustbild Beethovens, das der Bildhauer Kassin geschaffen hatte, liefen Beiträge ein, darunter auch der Ertrag eines Konzertes der Klavierschule Grimm.

Bei der Enthüllung des Kaiser Joseph - Denkmals im Kurpark sang der Verein mehrere Chöre, ebenso bei der Grundsteinlegung des Kaiserin Elisabeth-Kurhauses.

Als der Kaiser am 14. Juni zum 9. Bundesschießen nach Baden kam, beteiligte sich der Verein am festlichen Empfang.

Zu Sylvester wurden im Hotel "Stadt Wien" neben einem Singspiel auch mehrere Chöre aufgeführt.

1900

Am 1. Juli fand die Enthüllung des Beethoven-Denkmales im Helenental statt. Der Verein sang "Die Ehre Gottes". Beim Festkonzert am gleichen Abend im Kursaal wurde Haydn´s "Jahreszeiten" mit den Solisten Marie Seyff-Katzmayer, Karl Reich und Franz Pazal mit großem Erfolg aufgeführt.

1901

Am Huldigungsfest (20.Juli) anlässlich des 50. Gedenktages der in Baden erfolgten Verlobung des Erzherzog Rainer mit Erzherzogin Marie beteiligte sich auch der Verein.

1902

Am 9. März veranstaltete der Verein im Hotel "Zentral" ein Konzert, bei dem Komzak "Die Poeten auf der Alm" von Engelsberg dirigierte.

Das 40-jährige Dienstjubiläum des Bürgerschuldirektors Johann Walter, der 12 1/2 Jahre Chormeister des Vereines war, feierten die Sänger im Hotel "Schwarzer Bock" mit einem Festkommers. Die Herren Zöllner, Kohlert, Komzak, Schrittwieser und Franz führten die Lieblingskomposition des Jubilars, das Klarinettenquintett von Mozart, auf.

1903

Bei der Enthüllung des Undine-Brunnens im Kurpark sang der Verein einen Chor.

Am 2. Oktober legte Franz Kohlert die Chormeisterfunktion mit der Begründung zurück, dass er nicht die genügende Würdigung finde. Gleich nach seinem Austritt wurde er Chormeister bei den "Liederfreunden", wo er ein Honorar erhielt.

In der außerordentlichen Hauptversammlung wurde der Direktor der Kurkapelle Karl Komzak zum Chormeister gewählt. Unter seiner Leitung wurde besonders sorgfältig geprobt, damit Aussprache, Intonation, Rhytmus und Ausdruck sicher beherrscht wurden. Trotzdem ließ der Besuch der Proben nach. Der Grund war sicher auch das ungünstig gelegene Proben-lokal im Hotel "Zur Schäferin". Doch Komzak verstand es innerhalb kurzer Zeit, glänzende Erfolge zu erzielen.

1904

Am 7. Mai beteiligte sich der Verein an der Gründungsfeier der "Liederfreunde" mit einem Chor.

Komzak wurde zu Musikaufführungen anlässlich der Weltausstellung nach St. Louis in Amerika berufen. Bis zu seiner Rückkehr leiteten der Vorstand, Rudolf Zöllner und der Ehrenchormeister Wallner die Proben.

1905

Durch ein tragisches Unglück verlor der Verein seinen Chormeister Karl Komzak. Der Verein fuhr mit dem Frühzug nach Dreistätten zum "Schererwirt". Komzak wollte mit dem Nachmittagszug nachkommen. Der Zug hatte sich im Bahnhof Baden schon in Bewegung gesetzt, er wollte noch aufspringen, geriet dabei zwischen Waggon und Bahnsteig und konnte nur mehr tot geborgen werden.

Die Beliebtheit Komzak´s ersah man an der Teilnahme am Begräbnis, an denen neben den Gesangvereinen von Baden, Pfaffstätten, Vöslau und Leobersdorf auch die Komponisten Franz Lehar, Carl Michael Ziehrer sowie die Spitzen der Badener und Wiener Gesellschaft erschienen waren. In der Kirche erklang Mendelssohn´s 27.Lied ohne Worte, von einem aus Wiener und Badener Musikern zusammengesetzten Orchester gespielt. 150 Sänger sangen den Chor "Die letzte Treue" von Storch und am Grab den Chor "Der bleiche Todesengel" von Titl. Da die Stadt Wien dem Verstorbenen ein Ehrengrab gespendet hatte, beschloss der Verein, mit Spenden den Betrag für ein Grabdenkmal aufzubringen.

Die Sänger wählten am 31. Oktober den Südbahnbeamten Rudolf Zahlbruckner zum Chormeister.

1906

Ein bewegtes Jahr mit starkem Personenwechsel in der Leitung und einem Schriftführer, der nichts Schriftliches hinterlassen hat. Er verlor das Protokollbuch der Vereinsleitung und musste sich dann von dieser "Anstrengung" bis zum Ende des Vereinsjahres ausruhen. In der Hauptversammlung wurde über Antrag von Franz Kohlert, der wieder Vereinsmitglied geworden war, ein zweiter Chormeister gewählt. Kohlert erhielt diese Funktion, für die er kandidierte, erst im zweiten Wahlgang.

Im Februar legten Vorstand Zöllner und Chormeister Zahlbruckner ihre Stellen nieder, auch einige Sänger traten aus dem Verein aus.

Bei der im März im Hotel "Zum goldenen Löwen" anlässlich des 100. Geburtstages von W.A. Mozart veranstalteten Feier sang der Verein zwei gemischte Chöre aus "Figaros Hochzeit" und den Männerchor "O Isis und Osiris" aus der "Zauberflöte".

Am Samstag, dem 23. Juni unternahm die "Steyrer Liedertafel" eine Sängerfahrt nach Baden, wo sie vom Gesangverein Baden und vom Männergesangverein "Liederfreunde" empfangen wurden. Namens der Gemeinde begrüßte Bürgermeister Dr. Franz Trenner die Gäste. Unter der Mitwirkung der Kurkapelle fand dann im Kurhaussaal ein Sängerabend statt, dessen Ertrag wohltätigen Zwecken gewidmet wurde. Bei dieser Mischung zwischen Konzert und Kommers stieg die Stimmung immer weiter, dass viele Sänger aus Steyr und Baden bis in die Morgenstunden "durchsangen".

Am 18. Juli wurde vom Badener Musikerverein und dem Gesangverein zugunsten des Komzak-Denkmals im Kurhaus ein Konzert mit ausschließlichen Komzak-Kompositionen veranstaltet. Es wurden u.a.der Walzer "In die weite Welt" und der Chor "Das Mädchen aus der Fremde" mit Orchesterbegleitung aufgeführt. Die Orchester-Stücke leitete Theater-Kapellmeister Wiesmann.

Einige Tage danach legte Kohlert die Chormeisterstelle nieder. Da sich im Verein keine geeignete Ersatzkraft fand, wurde diese Stelle dem Berufsmusiker Anton Powolny angetragen, der aber für jede Probe und Aufführung ein Honorar verlangte. Bei der Sylvester-Liedertafel dirigierte Powolny die Chöre und Wiesmann das Orchester. Die Neujahrsrede hielt Vorstand Wladarz.

1907

Die Hauptversammlung wählte als Vorstand Dr. Fritz Fasching, der jedoch diese Würde nur einen Tag behielt. In der darauffolgenden Hauptversammlung wurde Hans Wladarz zum Vorstand, Anton Powolny und Ludwig Breitenbaum zu Chormeistern gewählt.

Am 9. Juni fand am Zentralfriedhof in Wien die Enthüllung des Grabdenkmals Komzak´s statt. Da Komzak auch Mitglied des Wiener Männergesangvereines und Ehrenmitglied des Döblinger MGV gewesen war, sangen alle drei Vereine bei dieser Feier.

Im November wurde Franz Kohlert zu Grabe getragen. Der Verein sang den Trauerchor "Erinnerung".

Die Sylvesterfeier wurde wieder durch heitere Chöre bereichert. Weiters wurden das Singspiel "Das verhexte Behmgericht" von Piber und die Bieroper "Rinaldini" von Thiele aufgeführt. Die Turner waren nach diesem Abend so motiviert, dass sie dem Verein beitraten.

1908

Bei der Hauptversammlung wurden 3 Ehrenmitglieder (E. Ebenführer, E. Holzer, Franz Hummel) sowie Rudolf Zöllner als Ehrenvorstand ernannt. Für 25-jährige Vereinsmitgliedschaft wurde ein Silbernes Vereinszeichen geschaffen.

Am 2. Februar sang der Verein bei der Grundsteinlegung des Stadttheaters den Festgesang an die Künstler von Mendelssohn.

Am 7. Mai wirkte der Verein an der zum 60-jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Joseph I. veranstalteten Serenade in Schönbrunn mit. An dieser Veranstaltung nahmen 7000 Sänger teil.

Am 2. Juni beteiligte sich der Verein gemeinsam mit den "Liederfreunden"und den "Helenentalern" an einer von der Gemeinde veranstalteten Huldigungsfeier (Serenade in der Weilburg) anlässlich der Vermählung der Erzherzogin Henriette mit dem Prinzen Hohenlohe-Schillingfürst.

Durch eifriges Bemühen der jungen Sänger konnten in diesem Jahr neue Mitglieder geworben werden. Die Zahl der Sänger stieg von 23 auf 67.

1909

In der Hauptversammlung wurde eine Erweiterung der Vereinsleitung beschlossen. (Obmann-Stv., 2.Kassier, 2. Archivar).

Am 5. April wurde der Damenchor wieder einberufen, der seit Kohlert´s Tod nicht mehr tätig war.

Am 16. Mai unternahm der Verein auf einem Möbelwagen und zwölf von einigen Sängern dekorierten Leiterwagen eine lustige Maifahrt nach Gaaden. Im Gasthausgarten wurden Chöre gesungen und im Möbelwagen fand die Aufführung der Oper "Eduard und Kunigunde" von Piber statt. Diese Sängerfahrten wurden noch zweimal durchgeführt (Jägerhaus und Siegenfeld).

1910

Bei der Hauptversammlung wurden die Rechte des Damenchores statutarisch festgelegt. Die Damen erhielten nun das Recht, eine Vertreterin zu wählen, die in der Hauptversammlung Sitz und Stimme hatte. Die erste Vertreterin wurde Julie Baumgartner.

Zu hoher Anstrengung wurde der Verein durch den Dirigenten des Wr. Neustädter Singvereines, Landesgerichtsrat Dr. Wilhelm von Waldstein angespornt, der mit dem Wr. Neustädter Gesangverein, dem Badener Gesangverein und dem Badener Musikerverein die 9. Symphonie von Beethoven in Baden aufführen wollte. Chormeister Zahlbruckner leitete die Proben des Chores und Waldstein, der oft nach Baden kam, gab den zur Aufführung nötigen Schliff. Das Werk wurde am 4. April im Stadttheater Baden mit großem Erfolg aufgeführt. Durch den großen Erfolg wurde der Badener Gesangverein von Waldstein zur Mitwirkung an der "Missa Solemnis" nach Wr. Neustadt eingeladen. Auch die Aufführung dieses Werkes am 6. November in Wr. Neustadt und am 4. Dezember im Stadttheater Baden wurde ein riesiger Erfolg. Beim anschließendem Kommers im Hotel "Goldener Löwe" trat ein neues Solo-Quartett vor die Öffentlichkeit: Artur Seyß-Inquart, Albert Gartner, Ludwig Wieser und Josef Baßwald.

Der Fabrikant A. Krupp übermittelte dem Badener Gesangverein ein große Spende, er verzichtete nämlich auf die noch ausständigen 600 Kronen für den Guss des Beethoven-Denkmales.

Am 26. Juni traf der Wiener Männergesangverein zu einem Konzert in Baden ein und wurde von den "Liederfreunden", vom Gesangverein Baden und einer Musikkapelle am Bahnhof empfangen und in den Kurpark geleitet, wo Bürgermeister Dr. Franz Trenner die Gäste begrüßte. Im Kurhaussaal wurde dann ein Frühstück kredenzt, bei dem die Damen des Badener Vereines "die Bedienung in liebenswürdigster Weise besorgten". Das Konzert im Kurpark war leider verregnet.

Gegen Ende des Jahres zählte der Männerchor 70, der Damenchor 50 Mitglieder.

1911

Beim Heringschmaus im Hotel "Zum goldenen Löwen" spielte das Hausorchester unter der Leitung von Ludwig Breitenbaum. Vorgetragen wurden mehrere Männer- und einige gemischte Chöre. Auch gab es schon Juxbasarltreffer, die sehr zur Erheiterung der Veranstaltung beitrugen.

Wegen spöttelnder Bemerkungen eines Mitgliedes über die Tätigkeit des Chormeisters legte Rudolf Zahlbruckner seine Funktion nieder. Der Sangesrat Ludwig Baßwald wurde nun provisorischer Chormeister.

In den Sommerferien gab es wieder einen größeren Funktionswechsel. Ludwig Mayr wurde zum Vorstand gewählt, als Ersatz für die Sangesräte Mayr und Baßwald wurden Ludwig Breitenbaum und Albert Gartner gewählt.

Der Verein hatte endlich in Bezug auf das Probenlokal (Gasthaus "Zum schwarzen Adler") eine gewisse Stabilität erhalten.

Die Probenlokale in den ersten fünzig Jahren waren: Der "Schwarze Adler", der "Goldene Hirsch", die "Stadt Wien", das "Goldene Kreuz", der "Sandwirt", die "Stadt Baden" und die "Schäferin". Einige Zeit diente ein Schulzimmer als Übungslokal.

Veranstaltungsorte waren: Der "Schwarze Adler", der "Goldene Hirsch", die "Stadt Wien", der "Sauerhof", das "Goldene Kreuz", der "Goldene Löwe", die "Schäferin", die "Goldene Krone" sowie der Kurpark und die Hauswiese.

Bei der Sylvester-Feier gab es neben Solo-Vorträgen eine Aufführung der Posse "Frühere Verhältnisse" von Nestroy mit den Damen Wilma Pauer, Dora Müller und den Herren Leopold Fux und Eugen Plonka.

1912

Das 50. Stiftungsfest wurde mit einem Parkfest mit anschließendem Kränzchen gefeiert. Die Gesangvereine "Liederfreunde" sowie der "Helenentaler Sängerbund" aus Baden nahmen ebenso teil wie der Wr.Neustädter Singverein, der Liesinger MGV, der MGV Vösendorf, der MGV Gumpoldskirchen und der MGV "Sängerbund" Traiskirchen.

Bald nach der festlichen Feier des 50-jährigen Bestehens kam der Krieg. Als der Vorstand Architekt Hugo Zimmermann krankheitshalber zurücktrat, beschlossen die übriggebliebenen Vereinsmitglieder, die Vereinstätigkeit ruhen zu lassen.

1919

In diesem Jahr ging man wieder an die Arbeit. Die von Schriftführer Josef Trenner einberufene Hauptversammlung wählte am 24.Feb. 1919 Hans Hnilicka zum Obmann und Karl Heindl (Mödling) zum Chormeister. 1920 wurde Josef Trenner Obmann und Gustav Scholda, der später von Fritz Jugl abgelöst wurde, Chormeister. In diese Zeit fällt die neuerliche Mitwirkung an der "Missa Solemnis" von Beethoven. Die gedrückte Stimmung infolge der Friedensdiktate und die Sorge um die notwendigsten Lebensbedürfnisse hemmten aber die Vereinstätigkeit.

1924

Als 1924 der Schubertbund wieder Baden besuchte und ganz Baden den "Meistersängern" zujubelte, erwachte wieder die Lust zu eigener Betätigung und die Vereinsleitung berief die erste Probe für den 9. Dezember 1924 ein. Götz Fink wurde Chormeister. Mit seiner humorvollen Art gewann er wieder Sänger zur Mitarbeit.

1925

Der "Neebsche Männerchor" aus Frankfurt/Main, der Wiener Schubertbund, der Wiener Männergesangverein und der Gesangverein der Eisenbahnbeamten besuchten Baden.

Anlaß war die Enthüllung einer Gedenktafel für Carl Millöcker (Hötzendorfplatz 8). Der Empfang, die Enthüllungsfeier, der Festzug durch die Stadt, das Festkonzert im Stadttheater, kurz alle Veranstaltungen waren bestens vorbereitet und durch das Wetter auch begünstigt. Die Veranstaltung blieb der Bevölkerung in bleibender Erinnerung.

Auch an einer Gedenktafel - Enthüllung für Johann Strauß nahm der Verein in diesem Jahr teil.

Als Götz Fink krankheitshalber seine Funktion zurücklegte, konnte durch Vorstand Trenner der Professor an der Bundeserziehungsanstalt Traiskirchen, Oswald Kabasta, als Chormeister gewonnen werden.

1926

Ein zu Ehren des Finanzministers Josef Kollmann und des Bürgermeisters Alois Brusatti veranstaltetes Konzert brachte einen ungeahnten Erfolg. Auch ein Bruckner-Wagner Konzert zeigte die Leistungen eines nicht mehr "provinziellen" Chores.

Prof. Oswald Kabasta wurde als Musikdirektor nach Graz berufen und so wurde im November Hans Völgyfy (Professor an der Bundeserziehungsanstalt Wr. Neustadt) zum Chormeister gewählt.

1927

Ein eigenes Vereinsorchester wurde geschaffen, das schon bei der Beethoven-Gedächtnisfeier seine künstlerischen Qualitäten zeigte. In diesem Jahr erfolgte auch die Enthüllung des Beethoven-Denkmales vor dem "Sauerhof" und der Besuch des MGV "Apollo" aus Amsterdam.

Der Gesangverein 1862, der MGV "Liederfreunde", der MGV "Helenentaler Sängerbund 1902", der deutsche Volksgesangverein und die Orchestervereinigung Baden beschlossen, sich zu einem einheitlichen Chor- und Ochesterverein zu vereinigen. Die konstituierende Versammlung fand am 31. Mai 1927 unter der Anwesenheit von Vizebürgermeister Kom.Rat Brusatti statt. In den gemeinsamen Ausschuss des neuen Vereines wurden die bisherigen Vorstände der einzelnen Vereine Trenner, Seyk, Zeiner und Haydn gewählt. Der Verein nannte sich nun "Konzertverein Baden 1862".

Die wichtigsten Ereignisse der folgenden Jahre waren:

Das deutsche Sängerfest (1928)
ein Festkonzert anlässlich des zehnjährigen Bürgermeister-Jubiläums von Min.a.D. Josef Kollmann (1929)
die Komzak-Gedächtnisfeier (1930)
das 70-jährige Bestandsjubiläum, eine Aufführung der "Schöpfung" von J. Haydn, ein Symphoniekonzert, eine Mitwirkung beim Empfang des Josefstädter Männergesangvereines und beim Konzert der "Hundert Musiker" im Kurpark (1932)

1933

Die noch vorhandene Schaffenskraft brachte ein Konzert mit Werken von Brahms, Wagner, Richard und Johann Strauß zustande. Doch bald danach wurde der Probenbesuch schwach, so dass keine größeren Aufführungen mehr durchgeführt werden konnten.

1934

Ehrenvorstand Trenner legte nach 14 Jahren Tätigkeit seine Funktion nieder, da er nach Wien versetzt wurde und sich dem Verein nicht mehr ausgiebig widmen konnte.

In der Hauptversammlung am 6. März wurde Dr. Heinrich Nothnagel zum Obmann gewählt. Durch ein befristetes Schreiben an alle Vereinsmitglieder konnten 32 Herren des Chores und 8 Herren des Orchesters zur weiteren Mitarbeit gewonnen werden. Als der Badener Gymnasial-Professor Josef Biegler die Chormeisterstelle übernahm, stieg die Zahl der ausübenden Mitglieder bald auf über 50 und der Verein konnte wieder bei verschiedenen Gelegenheiten vor die Öffentlichkeit treten.

1935

Die Vereinstätigkeit war wieder wie in den besten Zeiten im Gang. Neben Faschingsveranstaltungen wurde am 21. April eine Komzak-Gedächtnisfeier veranstaltet, die von Radio Wien übertragen wurde. Der gemischte Chor sang Komzak´s letzten Walzer "Maienzauber", der von Prof. Biegler für gemischten Chor gesetzt worden war. Im Mai fand das nächste Konzert mit Haydn´s 2. Symphonie, Beethoven´s Violinkonzert sowie mit Werken von Brahms und Bruch statt.

1936


MGV "Liederfreunde" 1936

Nach einer Faschingsveranstaltung wurde für das erste Chor- und Orchesterkonzert geprobt, das am 5. März mit Werken von Beethoven, Schubert u. Wagner stattfand.

Am 25. Juni wurden die "Jahreszeiten" von Joseph Haydn aufgeführt, wo der Chor durch Mitglieder des Mödlinger Männergesangvereines verstärkt wurde.

In diesem Jahr wurde der Plan gefasst, jeden Monat gemeinsam mit dem Kurorchester ein größeres Symphoniekonzert zu veranstalten.

Der Verein verfügte gegen Ende des Jahres auch über ein Quartett: "Die heiteren Acht", das sich wiederholt bei Vereinsveranstaltungen mit heiteren Vorträgen bemerkbar machte und für gute Stimmung sorgte

Von den folgenden Jahren fehlen Aufzeichnungen. Durch den Anschluss an Hitler-Deutschland und den darauffolgenden zweiten Weltkrieg hatte man - leider - andere Sorgen, als sich dem Gesang hinzugeben.

1959

Erst im Jahr 1959 richtete Vizebürgermeister Ök.Rat Leopold Breinschmid über die Lokalpresse einen Aufruf an alle sangesfreudigen Männer von Baden.

Am 7. November 1959 fanden sich 28 Männer in der Weinstube Bausch in der Pergerstraße (heute Restaurant "Eurasia") ein und bildeten ein Proponentenkomitee, das unter der Leitung von Karl Rautek stand. Schon am 7. Dezember 1959 fand dann im Gasthaus Schamuth in der Antonsgasse die Gründungsversammlung unter der Anwesenheit von Bürgermeister Dr. Julius Hahn und dem Vorstand des Sängerkreises "Anninger", DDr. Hartel, statt. Zum Obmann wurde Ök.Rat Leopold Breinschmid und zum Chorleiter wurde Fachlehrer Gustav Hallama gewählt.

Vorstand 1959

1960

Erstes Mitwirken beim 10-jährigen Bestehen der "Musikfreunde der Stadt Baden" in der Trinkhalle. Unter der Leitung von Kapellmeister Heinz Norfolk und Chorleiter Gustav Hallama sang der Verein gemeinsam mit dem Neubauer MGV.

Der erste selbständige Auftritt erfolgte am 8. Oktober. Bei der Enthüllung des Josef Kollmann-Denkmales sang der Verein, bei der Bundeskanzler Ing. Julius Raab die Gedenkrede hielt.

1961

Erster Liederabend im "Gelben Saal" des Kurhauses. 36 Sänger wirkten dabei mit, wo auch zum ersten Mal der Wahlspruch des Badener MGV erklang, eine Komposition von Chorleiter Gustav Hallama:

Wo köstlicher Wein an sonnigen Hängen reift,
wo heilendes Wasser dem Schoß der Erde entquillt,
grüsst unser Lied die ganze Welt!

Nach den Sommerferien kehrte der Verein wieder in sein erstes Probenlokal ein, dem ursprüglichen "Schwarzen Adler" und damaligen Café Bristol am Josefsplatz (heutiges Finanzamt).

1963

Erste Teilnahme am 4. Österr. Sängerbundesfest in Salzburg. Im November nahm der Verein an der 100-Jahr-Feier des Sängerbundes für Wien u. NÖ. im Wiener Konzerthaus teil. Gemeinsam mit vier niederösterreichischen Chören nahmen die Sänger am Festkonzert teil, das auch vom Rundfunk übertragen wurde.

1964

Teilnahme am Landessängerfest in Krems. Der Verein "wagte" erstmals die Teilnahme an einem Wertungssingen. Die Note "Ausgezeichnet" war Ansporn zu weiterer Arbeit.

Das 5-jährige Bestehen wurde mit einem Festkonzert in der Trinkhalle (heute Casino) mit 46 Sängern und über 600 Gästen gefeiert. Solisten waren Brigitte Strozzer-Norfolk, Thekla Vogler, Hans Kapeller und Dkfm. Wilhelm Vogler.

1965

Teilnahme am Sängertreffen des Sängerkreises "Anninger" in Mödling.

Der Obmann-Stv. des Vereines, Ing. Vinzenz Neuberger, war nach dem Tod von DDr. Hartel auch Kreisvorstand des Sängerkreises.

1967

Mitwirkung zusammen mit den Badener Musikfreunden bei einem großen Johann Strauß-Konzert mit dem Untertitel "100 Jahre Donauwalzer" in der damaligen Trinkhalle im heutigen Casino.
Das Konzert leitete der 1. Kapellmeister des Badener Stadttheaters, Gerhard Lagrange.
Dieses Ereignis war der erste Kontakt des Vereins mit seinem danach langjährigen Chorleiter (1988 bis 2006).

1968

Neuerliche Teilnahme am Landessängerfest in St. Pölten. Chorleiter Gustav Hallama legte seine Funktion nieder. Nachfolger wurde interimsmäßig Prof. Josef Biegler.

1969

Bei der Jahreshauptversammlung wurde Musikdirektor Heinz Norfolk zum Chorleiter gewählt. 2. Chorleiter wurde Dkfm. Wilhelm Vogler.

1970

Im Mai fand das Jubiläumskonzert anlässlich des 10-jährigen Bestandes im Kongresshaus statt. Unter der Leitung von Wilhelm Vogler wirkten neben dem Chor als Solisten Camillo Agrelli, Hans Kapeller, Helge Hansy, Kurt Bauer und Obmann Leopold Breinschmid mit.

Am 24. Juli starb Chorleiter Heinz Norfolk. Mit ihm verlor nicht nur der Männergesangverein, sondern auch die Stadt Baden einen hervorragenden Dirigenten und Komponisten.

Prof. Joseph Maschkan, als Stimmbildner an der Hochschule für Musik und am Reinhard-Seminar tätig, wurde interimsmäßiger Chorleiter.

1971

Bei der Jahreshauptversammlung wurde Prof. Joseph Maschkan zum Chorleiter gewählt. Beim alljährlichen Chorkonzert im Kongresshaus sang er mit seiner Gattin Joan im Duett.

Beim 5. Österr. Bundessängerfest in Wien sang der Verein in der Franziskanerkirche ein Kirchenkonzert. An der Orgel begleitete Dr. Gunter Wiesinger.

Im Dezember fand in der Stadtpfarrkirche Baden ein Adventkonzert statt, an dem noch sechs Männerchöre des Sängerkreises "Anninger" teilnahmen. Von den Sängern wurde Schubert´s 23. Psalm aufgeführt, an der Orgel spielte Hans Fleischberger.

1972

Bei der Jahreshauptversammlung legte Obmann Leopold Breinschmid seine Funktion zurück und wurde zum Ehrenobmann gewählt. Neuer Obmann wurde Ob. Insp. Wilhelm Ramstorfer. Zwei verdiente Sänger und Förderer des Badener MGV wurden in diesem Jahr zu Grabe getragen: Karl Rautek und Richard Musil.

Im November wurde das neue Vereinsabzeichen vom Vorstand beschlossen

1973

Am Rosenmontag, dem 6. März veranstaltete der Verein im Kongresshaus ein Faschingskränzchen. Der große Erfolg der Veranstaltung ermutigte die Vereinsleitung, auch in den folgenden Jahren einen Ball zu organisieren.

Im März erfolgte auch die Übersiedlung in das neue Probenlokal im evangelischen Gemeindezentrum in der Schimmergasse.

Im Mai wurde eine Sängerfahrt nach Passau (D) veranstaltet, die bei allen Teilnehmern (MGV Baden und MGV Gainfarn) einen bleibenden Eindruck hinterließ.